12.05.2017

10 Dinge, die man von F. Nightingale lernen kann (#IND17)

onedaycreative.com
Heute ist Tag der Pflege. Für mich momentan kein Grund zum Feiern. An den Rahmenbedingungen hat sich in den letzten Monaten nicht viel geändert. Gewerkschaften blockieren weiter Pflegekammern, Politik nimmt Pflege weiter zu wenig wahr. Und die Bevölkerung respektiert zwar Pflegende für ihre Arbeit, münzt dies aber kaum in Wertschätzung, egal welcher Art, um. 


Es bleibt also viel zu tun, um unseren eigenen Berufsstand weiter zu fördern. Das heißt auch, dass wir selbst wieder mehr aktiv werden müssen. 

In diesem Zusammenhang kann man vielleicht einiges von Florence Nightingale lernen, die zu ihrer Zeit mit vergleichbaren Problemen wie wir heute konfrontiert war. 

1. Niemals aufhören zu lernen! Eine breite Ausbildung in den Künsten und Wissenschaften hilft bei kritischem Denken und macht wichtige Verbindungen, die zum Handeln führen. Florence nutzte ihr Wissen über Mathematik, Statistik, Hygiene, Religion und Architektur, um einen ganzheitlichen Plan zusammenzustellen und die Systeme zu verbessern, die für Patienten sorgen.

2. Erden Sie sich und Ihre Arbeit in Tatsachen und Beweisen. Machen Sie Ihren Fall unbestreitbar. Jeder sollte das tun, nicht nur diejenigen, die sich Wissenschaftler nennen.

3. Haben Sie den Mut, Ihren Überzeugungen zu folgen. Wachse über dich selbst hinaus.

4. Behandeln Sie jeden Menschen ganzheitlich. Jeder Mensch hat eine seelische, geistige und körperliche Seite, die für eine vollständige Heilung gepflegt werden muss.

5. Kennen Sie Ihre Stärken und kennen Sie Ihre Schwächen. Wenn Sie nicht wissen, was sie sind, fragen Sie jemanden. Wähle den Job, in dem deine Stärken optimal nutzen kannst. Beitragen, beitragen und dann noch mehr dazu beitragen.

6. Verwenden Sie Ihr Netzwerk um Ziele zu erreichen, auf eigene Faust erreicht man nicht genug. Haben Sie keine Angst, wichtige Leute zu bitten, Ihnen zu helfen. Umgekehrt helfen Sie auch anderen, wenn Sie darum gebeten werden.

7. Sprechen Sie und schreiben Sie über die Lektionen, die Sie gelernt haben.

8. Wenn Sie etwas sehen, das geändert werden muss, ändern Sie es! Nightingale sagte: "Deed, not Creed."

9. Beschweren Sie sich nicht über Ist-Zustände, wenn Sie nicht
bereit sind, selbst etwas zu verändern.

10. Halten Sie Ihre Standards hoch. Mangel an Zeit, Müdigkeit und Ambivalenz alle untergraben hohe Standards. Unsere Patienten verdienen mehr.

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The final post in a series by Susan Hassmiller, Robert Wood Johnson Foundation (RWJF) Senior Adviser for Nursing, sent to us as dispatches from her summer vacation spent retracing Florence Nightingale’s influential career. The full series can be found by clicking here.  

11.05.2017

USA: Pflegekräfte vertrauenswürdigste Berufsgruppe

SILVER SPRING – Die US-Amerikanische Öffentlichkeit bescheinigte der Professionellen Pflege die höchsten Standards in Ethik und Vertrauenswürdigkeit. Die Umfrage markiert zum 15. Mal in Folge den hohen Stellenwert, den die Pflegekräfte in der amerikanischen Gesellschaft haben. 

“Every day, millions of nurses are on the front lines in the fight to improve the health of all Americans,” sagt  Pamela F. Cipriano, Präsidentin der American Nurses Association(ANA). “Whether nurses are by the bedside or in the board room, we continue to be a trusted resource and a vital part of our nation’s health care system. This poll reflects the trust the public has in us, and we’ll continue to work hard to keep that trust. ANA encourages nurses to draw on that trust to engage with consumers to improve their health and to advocate for patients and for the quality of care in this country. Additionally, I challenge those charged with making health policy at the facility, local, state and national levels, to include the trusted voice of nurses at the decision-making table. Based on this survey, no other profession is held in as high regard by the public. And given nursing’s frontline perspective on health care delivery, we offer a point of view that is unmatched” 

Der Umfrage nach sagen 84% der Bürger, Ehrlichkeit und Ethisches Bewusstsein der Pflegenden liegen hoch oder sehr hoch. Der Abstand zur nächst Vertrauenswürdigsten Profession, den Apothekern, liegt mit 64% deutlich weniger hoch. 
In 2017, wird die ANA ihre Bemühungen für eine Reform des Gesundheitssystems fortsetzen und auch der Trump-Regierung klar zu machen, dass ein Gesundheitssystem sicherstellen muss, dass Zugang zu Pflege, erschwinglicher und gerechter Pflege, sowie die Qualität der Betreuung sichergestellt werden muss.
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Die "American Nurses Association" (ANA) Repräsentiert die Interessen der 3,5 Millionen registrierten Pflegekräfte. ANA fördert den Pflegeberuf durch die Förderung von hohen Standards der Pflegepraxis,
Die Förderung einer sicheren und ethischen Arbeitsumgebung, die Stärkung der Gesundheit der Pflegekräften und widmet sich Gesundheitsfragen, die Pflegekräfte, sowie die Öffentlichkeit betreffen. 

07.05.2017

Bundestagswahl: AfD und Pflege

Die Alternative für Deutschland sorgt seit Jahren für kontroverse Debatten im Bezug auf Europa- und Flüchtlingspolitik. Bei der kommenden Bundestagswahl sehen die aktuellen Umfragen den erstmaligen Einzug in den Bundestag voraus. 
Da die Partei zuletzt eher durch innerparteiliche Querelen und populistische Aussagen unter der Gürtellinie aufgefallen war stellte sich mir die Frage, was die Partei eigentlich im Zusammenhang mit Pflegepolitik zu sagen hat. Und machen wir es kurz wie die Partei es selbst tut: Zur professionellen Pflege hat sie nichts zu sagen. Der unten zitierte Absatz ist das Einzige Statement im gesamten Wahlprogramm zur Pflege. 

Aus dem Wahlprogramm:
Die Pflege älterer Menschen durch einen Dienst oder durch ein Heim wird höher vergütet als die Pflege durch einen Angehörigen. Pflegende Angehörige werden oft mit organisatorischen und finanziellen Problemen alleingelassen.
Wir wollen die Fürsorge für pflegebedürftige Familienangehörige in einer vertrauten familiären Umgebung stärken. In Deutschland werden derzeit mehr als 70 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt. Dabei sind die Pflegesätze für Pflegedienste in allen Pflegestufen doppelt so hoch Wer durch die Erziehung von Kindern im Beruf zurückstecken musste, ist im Alter bei der Rente benachteiligt. Wir wollen daher die Kinderzahl und die Erziehungsleistung stärker als bisher bei der Rente berücksichtigen. wie die für eine Pflege durch Angehörige.
Die AfD möchte die Rahmenbedingungen derart gestalten, dass sich erwachsene Kinder bewusst für die Pflege der Eltern entscheiden können. Als Grundlage für die häusliche Pflege sind das Beratungsangebot für pflegewillige Angehörige in Form eines umfassenden Betreuungsnetzwerkes zu verbessern und die Pflegesätze an die Leistungen für Pflegedienstleister anzugleichen. Die AfD will Familienarbeit in der Pflege als Beitrag für das Gemeinwohl gesellschaftlich anerkennen. Die individuelle häusliche Pflege muss zu einem Hauptbestandteil der sozialen Sicherungssysteme werden. (https://www.alternativefuer.de/wp-content/uploads/sites/111/2017/01/2016-06-27_afd-grundsatzprogramm_web-version.pdf , S. 37 f.)
Dieser familienorientierte Ansatz des Prinzips "Ambulant vor Stationär" passt in das konservative Weltbild der Partei. Blendet aber die gegebenen Realitäten von pflegenden Angehörigen völlig aus. "Pflegedienstleister" sind für die Pflegenden Angehörigen ein Partner auf physischer und psychischer Ebene, die es in vielen Fällen erst ermöglichen, dass Pflegende Angehörige überhaupt tätig werden können. Diese Leistung professioneller Pflege gehört angemessen wertgeschätzt und entlohnt. Unmöglich ist es, eine Entlohnung für Pflegende Angehörige zu beschließen, die genau so hoch ist wie die der professionell Pflegenden. 
Es fehlen grundsätzliche Bezüge zu aktuellen pflegepolitischen Debatten und jegliche Innovation, was die Frage aufkommen lässt, ob die Partei denn auf keinen Pflegeexperten zurückgreifen kann oder will. Die wirtschaftsliberale Seite der Partei, äußert sich nicht zu Privatisierungen im Gesundheitsbereich und der zunehmenden Ökonomisierung. Das könnte nach der Wahl für den einen oder anderen überraschten Anhänger sorgen. 


Fazit: 
Professionelle Pflege wird weder im Programm noch auf anderen Teilen der Website berücksichtigt. Stattdessen soll die Laienpflege "aufgewertet" werden. Zu Generalisierung der Pflegeausbildung, Arbeitsbedingungen und Personalbemessung finden sich keine Statements. Die Wählergruppe von über einer Million professionell Pflegender wird vollständig ausgeblendet und deren Bedürfnisse ignoriert. Professionelle Pflege und AfD besitzen inhaltlich keinerlei Schnittstellen. 

06.05.2017

Die drei "goldenen Regeln"

Wenn man junge Pflegekräfte fragt, warum sie sich für die Pflege entschieden haben, hört man sicher die verschiedensten Antworten.
Zu den häufigsten gehört der Wunsch, direkt am Menschen zu arbeiten. Jeder Tag ist irgendwie anders und man ist ständig in Bewegung- Hauptsache keinen Bürojob.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich "Tugenden" in der Pflege so sehr mit denen in klassischen Bürojobs ähneln. Da wäre beispielsweise der "Beamten-Dreisatz", der mir aus der Pflege sehr bekannt vorkommt:

  1. Das haben wir immer so gemacht!
  2. Das haben wir noch nie gemacht!
  3. Da könnte ja jeder kommen!

Kann man ja mal drüber nachdenken..

03.05.2017

Existenzgründung im Alleingang: Die Rechtsform Einzelunternehmen

Wenn Sie sich allein selbstständig machen, sind Sie ein Einzelunternehmer. Das gilt unabhängig davon, ob Sie Mitarbeiter einstellen oder eigenständig arbeiten. Diese Rechtsform eignet sich vor allem für den Einstieg in die Selbstständigkeit, wie das Portal http://www.gruendercheck.com/ erklärt.

Der Unternehmer, eine natürliche Person, setzt seine Geschäftsidee dabei selbst um, trifft alle Entscheidungen und ist auch finanziell allein verantwortlich. Sowohl Gewerbetreibende als auch Freiberufler und Landwirte können Einzelunternehmer werden.

Laut dem Statistischem Bundesamt ist das Einzelunternehmen mit einem Anteil von rund 70 Prozent die beliebteste Rechtsform in Deutschland. Finanzen und Haftung für Einzelunternehmer Die Gründung eines Einzelunternehmens ist relativ einfach, da es kein gesetzlich vorgeschriebenes Mindeststartkapital oder Stammkapital gibt.
Es besteht die Möglichkeit, sich bei der Arbeitsagentur für einen Gründungszuschuss zu bewerben. Damit werden Selbstständige am Anfang unterstützt. Der Inhaber eines Einzelunternehmens haftet selbst mit seinem gesamten Geschäfts- und Privatvermögen für das Unternehmen. Daher eignet sich diese Rechtsform vor allem für Berufe, die niedrige Haftungsrisiken beinhalten. Zudem sollte der Unternehmer immer eine ausreichend hohe Versicherung abschließen, die die typischen Risiken der jeweiligen Branche abdeckt. Je nach Art des Unternehmens stehen hier eine Gewerbe-, Landwirtschafts- oder Berufshaftpflicht-Versicherung zur Auswahl.
So lässt sich das persönliche Risiko minimieren. Da der Inhaber das Risiko trägt, steht ihm auch der Gewinn des Unternehmens allein zu. Anmeldung eines Einzelunternehmens Wer als Kaufmann ein Einzelunternehmen betreibt, muss sich ins Handelsregister eintragen lassen und während seiner Geschäftstätigkeit eine Bilanz erstellen. Für kleingewerbliche Unternehmen ist der Handelsregister-Eintrag nicht nötig. Freiberufler melden sich beim Finanzamt an und erhalten dort eine Steuernummer.

25.08.2016

Gesundheitsversorgung- Was kann eine Kommune leisten (Teil 2)

(Zurück zu Teil 1)

Der Gesundheitskiosk ist für die Bürger selbst, anders als der Name vermuten lässt, kostenfrei. Er wird von den Kommunen betrieben und ist für jeden erreichbar. In Finnland findet man von ihnen bereits mehr als 50 Stück in Innenstädten und Einkaufszentren. Sie werden von allen Altersgruppen gut angenommen- weil sie alle angesprochen werden.

Betreut wird er von Public-Health Nurses, also studierten Pflegekräften. Fühlen sich Menschen unwohl, wird ihnen der Blutdruck gemessen, Puls gezählt, Blutzucker bestimmt. Völlig kostenlos und unverbindlich. Wenn man bedenkt das ein Großteil der Diabetesdiagnosen reine Zufallsbefunde sind, wird klar wie sinnvoll das ist.
Findet sich eine Auffälligkeit, werden direkt Termine an die kooperierenden (Fach-)ärzte vermittelt.

Zusätzlich bieten die Pflegekräfte Informationen, Schulungen und Beratungen zu diversen Themen an. Das geht von Schwangerschaftsberatung bis hin zu Schulungen von pflegenden Angehörigen.

Immer wieder gibt es auch "Themenwochen" und wiederkehrende Gruppenberatungen. Insgesamt ist alles darauf ausgerichtet, die Menschen für bestimmte Gefahren zu sensibilisieren, und sie vor diesen zu schützen. Entsprechend handelt es sich um eine wichtige Säule der Gesundheitspflege, da bereits gehandelt wird, bevor Krankheit eintreten kann.
Durch die niedrigschwellige Erreichbarkeit (örtlich und finanziell für alle erreichbar) finden auch sozial schwache Menschen Anschluss an das Gesundheitssystem.

Meiner Meinung nach ist dieses System vollständig auf deutsche Verhältnisse übertragbar, da insbesondere die Gesundheitsförderung, Prophylaxen, im derzeitigen Gesundheitssystem viel zu kurz kommen. Dabei würden sich enorme Folgekosten für die Behandlung der nicht-verhinderten Krankheiten sparen lassen und die Wirtschaft durch eine gesündere Gesamtbevölkerung gestärkt werden. Dies führt zu der Annahme, dass sowohl Kommunen, als auch Krankenkassen ein Interesse an diesem Modell haben dürften. Auch die positiven Erfahrungen aus Finnland, die dieses Konzept nun mehrere Jahre umsetzen, animieren zum "nachmachen".

Fest steht: Die modellhafte Umsetzung in einer deutschen Stadt würde bundesweite Aufmerksamkeit erregen.

Gesundheitsversorgung- Was kann eine Kommune leisten? (Teil 1)

Als Pflegestudent hatte ich im vergangenen Jahr die Möglichkeit, ein Auslandssemester in Finnland zu machen. In der Versorgungssituation liegen zwischen Deutschland und Finnland Welten. Das hängt schon allein mit der Art der Finanzierung der jeweiligen Gesundheitssysteme zu tun.

Kurz gefasst ist es so, dass sich deutsche Krankenhäuser in der Regel auf zwei Wegen finanzieren. Zum einen stellen die Bundesländer sicher, dass die Häuser genug Kapital für Investitionen zur Verfügung haben. Dieses Geld kann für Umbau- und Anbaumaßnahmen verwendet werden oder wird für die Neuanschaffung von Großgeräten, etc. genutzt. (Sogenannte Einzelförderung)

Zusätzlich gibt es die "Bettenpauschale". Die Länder errechnen anhand des Einzugsgebietes und der Krankenhausdichte und Bevölkerungs, bzw. Fallzahlen, wieviele Betten ein Krankenhaus benötigt und subventioniert diese Anzahl. (Sogenannte Pauschalförderung)

Die laufenden Kosten werden über die Krankenkassen abgerechnet. Dieses geschieht jedoch bereits im jeweiligen Vorjahr. Das bedeutet, dass die Häuser mit den Kassen jeweils verhandeln, welche Leistungen sie erbringen dürfen. Das bedeutet aber auch, dass die Häuser in einem Jahr deutlich mehr oder deutlich weniger Leistungen erbringen, als ursprünglich geplant und dem entsprechend Mehr- oder Mindereinnahmen erzielen können, die kaum planbar sind. Der Erlösausgleich finden dann im Folgejahr statt, umfasst aber nur die variablen Kosten, nicht aber die Fixkosten. Kann sich also je nach Belegung positiv oder negativ für die Häuser auswirken.

Wie dieses Krankenhausbudget ausfällt, hängt mit der Art der Fälle zusammen, die behandelt werden. Diese werden nämlich anhand der Erkrankung pauschal abgerechnet. Diese Pauschale wiederum ermittelt die Kassen aus den Durchschnittskosten für die Behandlung in allen Krankenhäusern.

Arbeitet ein Haus also effizienter als der Durchschnitt, macht es Gewinn- so die Theorie.

Dies führt dazu, dass Krankenhäuser längst in "attraktive" und "unattraktive" Fälle unterscheiden. Die Behandlung von Lungenentzündungen oder exsikkierten ("ausgetrockneten") ist beispielsweise sehr unatttraktiv, während es insbesondere für operative, z.B. orthopädische Eingriffe viel Geld gibt.

Das Arbeiten mit Prophylaxen und Gesundheitspflege lohnt sich für die Häuser also ausschließlich dann, wenn das dazu führt unattraktive Fälle zu vermeiden und dadurch Betten für attraktivere Fälle freizuhalten.

Dieses System ist für den Bürger, egal welchen Alters, sicherlich nicht die Ideallösung. Ich denke daher, dass sich die Kommunen Gedanken machen müssen, wie sie ihren Bürgern die bestmögliche Gesundheitsversorgung anbieten können.

Als Austauschstudent in Finnland konnte ich eine Anregung mitnehmen, die an dieser Stelle eine Option darstellt: Der Gesundheitskiosk (weiter zu Teil 2)